Wednesday, January 11, 2006

Warum gerade Colorado Springs? (inkl. "kleinem" Urlaubsbericht)

Nachdem meine Recherchen im Internet ergeben hatten, daß meine Traumstadt in den USA, nämlich San Diego, aus diversen Gründen (zu hohe Lebenshaltungskosten/Mieten/Arbeitslosenquote und ähnliches) für einen Neustart nicht in Frage kam, hatten wir uns im Vorfeld der Frage gestellt: Was wollen wir eigentlich und was soll unsere neue Heimatstadt alles haben? Wo kann man sich einen Neustart ohne Job vorstellen und wo kann man sich erstmal auch mit einem Billig Lohn Job einigermaßen über Wasser halten? Was erwarten wir vom Wetter? Wie sieht es mit den Lebenshaltungskosten aus? Schulbildung? Was gibt es für Freizeitmöglichkeiten? Durch Recherchen im Internet kamen wir auf Denver. Denver liegt am Fuße der Rocky Mountains auf 1600 Meter. Wettermäßig bietet Colorado 4 Jahreszeiten, was uns ebenfalls sehr wichtig war und wirbt mit 300 Sonnenstunden im Jahr, mehr als Florida und Californien. Außerdem sollen dort die wenigsten übergewichtigen US Bürger leben (fand ich witzig, wurde expliziet in der Touri Zeitschrift erwähnt), Job mäßig scheint auch was zu finden zu sein. Durch die nah gelegenen Skigebiete und State Parks bietet Denver einiges an Freizeitmöglichkeiten. Also, gesagt getan, wir buchten für die Aktivierungsreise einen Flug nach Denver. Dieser sollte Ausgangs/Endpunkt unserer kleinen Rundreise sein.

Dort angekommen, erledigten wir direkt die wichtigen formellen Sachen, wie die Eröffnung eines Bankkontos und die Beantragung einer SSN. Dann gings auf Erkundungstour durch die Stadt. Wohngebiete anschauen, Shoppen, Rehazentren in der Karte vermerken (dort wollten wir dann auf dem Rückweg vorbei um uns für Christian zu erkundigen, wie das so läuft) Gefallen hat es uns schon, aber die Größe... wir sind doch eher die Kleinstadttypen. Leben ja auch hier nicht in Frankfurt, sondern in Mainz. Wir erkundeten ebenfalls zwei Skigebiete (Copper Mountain (Empfehlung der Einheimischen) und das legändere Vail (welches extrem teuer war...)

Nach Weihnachten starteten wir dann unsere Tour. Wir entschlossen uns eine Nacht in Colorado Springs zu verbringen, tagsüber erkundeten wir die Innenstadt und es kam wie es kommen mußte. Wir fanden es dort genial. Alles so gemütlich und schön gestaltet. Abends fuhren wir nochmals nach Denver zu einem Basketballspiel Denver Nuggets - Dallas Mavericks. Sind ja nur 70 Meilen, das ist ja für amerikanische Verhältnisse gar nichts. Am nächsten Tag ging dann unsere Rundreise los, auf nach Texas. Unser Weg führte uns durch die größte Pampa, ohne Handyempfang und sonst irgendetwas zu sehen, nach ich weiß nicht mehr wieviel Stunden, kamen wir dann in Amarillo an. Wir sind einfach nur platt ins Bett gefallen, da ich mal wieder viel zu müde war um nur irgendwas zu unternehmen. Am nächsten Morgen besichtigten wir noch die berühmte Caddilac Farm und weiter gings Richtung Oklahoma City. Unterwegs fuhren wir über die berühmte Route 66 und hielten zwischen durch mal an einem Museum an. Dort arbeitete eine Deutsche, die seit über 50 Jahren in den Staaten lebte. Sie wollte unbedingt Deutsch mit uns sprechen und fands ganz toll das wir Ihre Heimatstadt Dietzenbach kannten (ist so ne halbe Stunde mit dem Auto von uns entfernt). Es war echt witzig, wie sie mit Ihrem amerikanischen Akzent Hessisch babbelte :-) . Tja, Oklahoma City war dann nicht so wirklich der Brüller. Wir haben uns auch ehrlich gesagt nicht wirklich viel angeschaut. Aber alleine die Skyline hatte halt nicht so das gewisse Extra. Viel gemacht haben wir nicht, außer mal schnell bischen Shoppen gegangen und was futtern...

Am nächsten Tag war es dann soweit. Wir sollten endlich unsere Internet Freundschaft kennenlernen. Los gings nach Gainesville zu Manu, Konny, Jason, Janina, Erwin (Papagei) und Murphy (Hund). Ich war so aufgeregt. Manu und ich haben uns über das Auswanderer Forum kennengelernt. Sie hat das Jahr vor mir in der Greencard Lotterie gewonnen und Ihre Geschichte mit dem Konsulat und der ärztlichen Untersuchung waren unserer sehr ähnlich. Ich war ja damals echt ziemlich fertig mit den Nerven und Manu hat mir super geholfen. Danke meine Liebe, das werde ich Dir nie vergessen!!!! Aber wie würde es sein, plötzlich denjenigen in die Arme zu schließen, den man nur aus E-Mails und Telefonaten kennt ? Es kam, wie es kommen mußte. Wir sahen uns fielen uns um den Hals und danach stand der Schnabel nicht mehr still. Unsere Männer kamen irgendwie so gar nicht zu Wort. :-) Wir verbrachten 5 wunderbare Tage in Texas und für Christian wurde klar, daß Texas ihm zwar so für den Urlaub ganz gut gefiel, aber zum Leben nichts sei (wir haben Sylvester bei 20 Grad gegrillt und sind im T-Shirt rumgelaufen), also viel zu warm und im Sommer muß es ja noch abartig schwül heiß sein.

An dieser Stelle nochmal ein fettes Dankeschön für die wunderbare Zeit, die wir mit Euch hatten. Manu, vielen Dank für Deine Freundschaft. Ich finde es so schön, daß wir uns gefunden haben. Bald trennen uns ja nicht mehr ganz so viele Kilometer, sind ja nur noch so an die 1600.

Zurück ging es dann über Santa Fe. Ich hatte mich so auf die Stadt gefreut und war sehr aufgeregt diese Christian zu zeigen. Doch es sollte anders kommen. Es schiffte wirklich von der Minute an, in der wir unseren Fuß in die Stadt setzten. Bis zum nächsten Morgen, an dem wir eigentlich die Stadt unsicher machen wollten. Wir waren aber tapfer. Haben uns durch den Regen bis zum State Capital gekämpft. Den historischen Teil der Stadt haben wir dann aber leider vom Auto aus betrachten müssen. Christian meinte, er könne erahnen wie es denn so bei schönem Wetter wäre... Wir haben uns dann ziemlich schnell wieder auf den Weg gemacht. Was sich auch als gut rausstellte, denn unterwegs fing es so stark zu schneien an, daß man echt gar nichts mehr gesehen hat. Wir kamen Gott sei Dank sicher in Colorado Springs an. Und jetzt kommt das seltsame, je näher wir Colorado kamen, umso mehr freuten wir uns wieder "heim" zu kommen. Die Landschaft änderte sich und eigentlich können wir es auch gar nicht richtig beschreiben. Es war halt einfach ein Herzensgefühl. Wir verbrachten 5 wunderbare Tage in Colorado Springs. Waren auf der Führerscheinstelle, haben ein Rehazentrum besucht und einfach mal nachgefragt wie das so läuft. Haben uns Wohngegenden angeschaut. Natürlich auch einige Touristenpunkte (Garden of Gods, Olympic Training Center, Historical District) abgearbeitet. Viel zu schnell ging die Zeit rum und wir verbrachten noch 2 Tage in Denver, bevor es dann wieder Richtung Deutschland ging.

Diesmal viel mir der Abschied besonders schwer. Alleine der Gedanke, daß man jetzt offiziell für immer dableiben darf und aus dieversen Gründen noch nicht dableiben kann. Das hat mich echt traurig gestimmt. Na ja, es sollte ja nicht mehr lange dauern. Der 15.12.2005 sollte eigenlich der Auswanderungstermin sein, dachte ich damals.... Aber wie sollte es auch sein, es kommt 1. alles Anders und 2. wie man denkt.

Dazu dann später mehr...

Martina

2 comments:

The Reimanns said...

Hallo Martina!
Ich bin echt total gerührt!!Dein Bericht ist soooo schöön geschrieben!Besonders der Teil, in dem wir drin vorkommen :-))) !Mir ging es genauso..ich war auch ganz schön aufgeregt und ich freue mich sooo sehr das wir Zwei uns gefunden haben!!! Hätte ich Euch nur dazu überreden können,hierher zu ziehen:-))!Aber wir haben uns bestimmt nicht das letzte Mal gesehen!!! Wenn Ihr erstmal hier seid trennen uns ja nicht mehr allzu viele Meilen.Dann kommen wir zum Skifahren zu Euch und Ihr zum sonnenbaden zu uns!
Seid gaaaanz lieb gegrüßt...von den Texanern!!!

oliviamartin said...

echt super geschrieben!bin auch seit 2monaten hier mit meinen kids in colorado springs und es ist auch alles anders gekommen als geplant.es weckt erinnerung wenn man eure geschichte liest.freue mich schon auf dein naechsten tagebucheintrag1schade das wir uns nicht kennenlernen koennen.lasst es euch gut gehen und guten rutsch ins 2008 auch an reimanns!!gruss Olivia