Tuesday, July 25, 2006

Arbeitssuche in den USA

So, endlich kommt nun der langerwartete Bericht von unserer Arbeitssuche hier in den USA. Um es vorwegzunehmen, Christian hatte ein leichtes Spiel. Er hat sich bei zwei Sportgeschaeften als Verkaeufer beworben und hatte direkt einen Job. Er hat bereits 4 Wochen, nachdem wir hier waren angefangen zu arbeiten. Christian arbeitet jetzt bei Dicks Sporting Goods und es macht ihm riesig Spass. Er verdienst zwar nicht die Welt und ist nur Parttime, aber wir waren wirklich froh das erstmal wieder ein bischen Kohle reinfliesst und er lernt dort halt richtig English, da er ja den ganzen Tag schwaetzen muss...

Jetzt zu meiner Suche, die sich richtig, richtig, schwierig gestaltete, mich sehr viele Traenen, mich Zorn und Wut gekostet hat und ich moechte nie wieder hoeren "die Amis sind doch eh alle Bloed"...
Da ich ja nicht so gut Englisch spreche, dachte ich mir, o.k. bewirbst Du Dich halt erstmal als Kassierer oder Verkaeufer da lernt man dann am schnellsten Englisch. Es fing auch alles sehr gut an, bereits in der ersten Woche habe ich ein sogenanntes "Application Form" ausgefuellt. Ohne dies geht hier gar nichts. Fast jeder Arbeitgeber hat sein eigenes Formular, welches man ausfuellen muss und Angaben machen muss, zu seiner Schulbildung und zu seinen letzten Arbeitgebern, sowie ob eine Arbeitserlaubnis vorhanden ist, usw... Hatte dann auch direkt mein erstes Vorstellungsgespraech. Aber da fing es dann schon an. Genau solche Stellen wie Verkauefer oder Kassierer werden nur Parttime angeboten. Das ist natuerlich nicht das was ich suche, aber ich dachte, o.k. fuer den Anfang. Das Gespraech lief soweit ganz gut, nur kam direkt die Frage, weshalb ich denn jetzt im Verkauf arbeiten wollte, ich haette doch in Deutschland einen Buerojob gehabt. Natuerlich hab ich Ihnen nicht auf die Nase gebunden, dass ich das zum Englisch lernen haben will... Na ja, ich fuellte fleissig meine Dinger aus und ging fleissig zu meinen Vorstellungsgespraechen, aber einstellen wollte mich keiner. Ich erzaehle Euch nun erstmal die einpraegsamsten Geschichten:
1. Sears: ist ein ziemlich grosses Kaufhaus, in jeder Mall, ich hatte mich online als Kassiererin beworben und bekam einen Vorstellungstermin. Dort angekommen, meinte die Chefin ob ich nicht Interesse an einem anderen Job haette, ich na klar. Also, sie mir eine Trulla geholt, die mir dann alles erklaert hat, mir Fragen gestellt hat und mich eigentlich toll fand. Die dann meinte ich waere geeignet, aber letztendlich wuerde der Manager nochmals ein Interview fuehren, ich sollte morgen zum Gespraech mit Ihm kommen. Sie rief mich dann mittags extra an und teilte mir mit, er waere morgen nicht im Haus, ich sollte Montags kommen. Ich natuerlich Montags da angetrabt. KEINER wusste was von meinem Termin. Was haben die gemacht. Mit zwei andere Trullas auf den Hals gehetzt, die die gleichen Fragen nochmals gestellt haben und dann zum Abschluss sagten. Wir haben noch andere Bewerber wir melden uns. DANKE. Da wusste mal wieder der eine nicht was der andere macht!!!
2. Seven Eleven (Tankstelle mit Lebensmittelverkauf): Ebenfalls Online die Bewerbung ausgefuellt, danach wurde ich aufgefordert bei einer Hotline anzurufen, dort wurden mir ebenfalls Fragen gestellt und dann bekam ich einen Interviewtermin an der lokalen Tankstelle. Kam ich also hin, wusste der manager von nichts und erklaerte mir erstmal, das die Tankstelle Ihren Besitzer wechselt, der dann die Leute neu einstellt, das einzigste was er mir mitgeben koennte waere eine Application Form, die sollte ich doch zurueckbringen...HALLO, sind die denn alle Bescheuert...
3. Die Kroenung, Ross Dress for Less, eigentlich eines meiner Lieblingsbekleidungsgeschaefte. Es machte ein neuer Laden in der Naehe von Christians Arbeit auf, fuer den ich mich beworben hatte. Bin dann auch dorthin und habe wieder den obligatorischen Einstellungstest gemacht (fast jedes Unternehmen, hat einen Fragenkatalog von so 80 Fragen die man beantworten muss, da werden dann so Sachen gefragt wie "findest Du es in Ordnung wenn Dein Supervisor stiehlt" "Kommst Du zu spaet zur Arbeit", usw. also man weiss eigentlich schon was fuer Antworten man geben muss... Danach kurzes Interview und am naechsten Tag der Anruf: Ich haette den Job. Am 29.06. wuerde es losgehen. Ich war natuerlich total happy, yyyeaahhhh endlich hab ich auch einen Job, also wir losgezogen und ein Child Care fuer den Ben gesucht, auch was nettes gefunden, in der Naehe wo unsere Jobs sind, Besorgungen gemacht, usw. Und jetzt kommt die Kroenung: Genau 1 Tag vorher, mittags um 12 Uhr erhalte ich einen Anruf. Ja, sie koennten mich zur Zeit nicht einstellen, sie muessten meinen Test reparieren. Ich verstehe bis heute nicht was da schief gelaufen ist, es konnte mir auch keiner erklaeren was das heisst. Na ja, wie Ihr Euch vorstellen koennt, bin ich am Boden zerstoert gewesen und konnte mich die ersten Tage gar nicht mehr beruhigen...

Ich moechte mich ausdruecklich nochmals bei Susi, Silke, Helena und Helge, Silvia, Julia, Elli, Olaf, Mutschka, Daddy und allen die ich jetzt vergessen habe bedanken, dafuer das sie mich danach getroestet haben, mir Mut gemacht haben und mir zugesprochen haben, mich auf richtige Jobs zu bewerben....

Danach ging der Bewerbungsmarathon weiter. Ich muesste erstmal ein Resume aufsetzten (Danke Susilein nochmals fuer Deine Hilfe) und mal die Grundform eines Cover Letters. Das ganze habe ich dann natuerlich ins Internet gestellt (Monster, Careerbuilder) und habe auch wieder fleissig die Zeitung studiert. Und siehe da, auch hier tat sich was. Wieder erwarten (ich konnte es kaum glauben, da ich ja keinerlei Business Englisch kann) wurde ich trotzdem zum Test eingeladen.
1. TCF Bank als Teller (soviel wie Schalterangestellte), das Gespraech lief sehr erfolgreich, doch dann kam der Test und siehe da, hier musste ich sogar Kopfrechnen, also Asche auf mein Haupt, ich hab total versagt. Ich kann nicht mehr kopfrechnen, auch wenns total peinlich ist, aber seit der Schule reche ich nur noch mit Taschenrechner.... Da war mir schon klar, dass dass nichts wird. Also hab ich mir von Christian erstmal die Kopfrechenarten erklaeren lassen, damit mir sowas nicht mehr passiert.
2. Progressive Direct (Versicherung) wurde ich zum Assesmentcenter eingeladen. Man sollte 50 Fragen in 12 Minuten beantworten, wobei von vornerein klar war, das dass keiner schafft. Tja, dumm blos, wenn man die Woerter nicht versteht und erklaeren soll ob die die gleiche Bedeutung, die gegensaetzliche Bedeutung oder so aehnliche Bedeutung haben. Mit Mathe liefs ein bischen besser, aber ich hab natuerlich viel zu lange gebraucht. Ende vom Lied, nach dem Test wurde ich direkt aussortiert und kam gar nicht erst eine Stufe weiter...
3. Aerotek (Zeitarbeitsfirma): Dort hatte ich mich ebenfalls ueber das Internet beworben, einmal als Sekretaertin und dann noch als Picker. Hatte morgens das Gespraech und sie haben mich natuerlich in die Stelle des Pickers gesteckt und mir dann aber gleich gesagt ich haette die Stelle. Ich war so froh, dass ich ein Angebot hatte und habe natuerlich zugesagt. Am gleichen Tag hatte ich allerdings mittags noch ein Vorstellungsgespraech bei einer Versicherung, davon hatte ich denen aber natuerlich nichts gesagt.
4. CSAA (California State Automobile Association): Ich bin diesmal zum ersten Mal voellig entspannt dort angetrabt, da ich ja die Zusage fuer den anderen Job hatte. Dort angekommen wurde ich dann von 3 Maennern (Supervisor) geloeschert, die hatten einen festen Fragenkatalog und ich musste Rede und Antwort stehen, wie ich welchen Schadenfall wie behandeln wuerde und aehnliches. Nach 1 Stunde sagten sie mir, ich solle kurz warten sie muessten sich besprechen. Danach holten sie direkt den Manager. Wow. Das war bislang noch nie vorgekommen und die Sekraeterin meinte gleich, das ist ein gutes Zeichen. Das Gespraech lief dann gar nicht mehr so gut, der Manager fragte mich total bloede Sachen und verabschiedete sich dann wieder mit den ueblichen Worten: Wir haben noch andere Bewerber, wir melden uns dann... Da hab ich vielleicht erstmal wieder gekotzt. Na ja, hab dann brav meine E-mail hingeschrieben und mich fuer das Gespraech bedankt und nochmals mein grosses Interesse an dem Job bekundet.

Dann habe ich erstmal ueber Aerotek angefangen bei Synthes als Picker zu arbeiten. Ist ein Scheiss Job, man sucht aus den Schubladen medizinische Metallplatten, Scheren, Meissel, usw. raus, scannt diese ein und gibt es dann zur Poststelle und das den ganzen Tag. Mir war direkt klar, das ich dass nicht mein Leben lang machen kann. Direkt am ersten Tag hab ich zu Christian gesagt, ich muss weiter Bewerbungen schreiben. Englisch lernt man dabei auch nicht, da man fast immer alleine arbeitet und ausser dem ueblichen Smalltalk in der Mittagspause geht gar nichts... Gott sei Dank kam bereits in meiner ersten Woche dort der erloesende Anruf von der CSAA ich haette den Job als Subrogation Specialist. Ich konnte ja mein Glueck kaum fassen und konnte es auch erst glauben, als Montags dann endlich die ersehnten Unterlagen per Fedex bei mir eingegangen waren. Bin direkt Dienstags morgens zum Drogentest und war gestern da um meine Unterlagen abzugeben (Greencard, Pass...) Es wurde direkt ein Foto gemacht, fuer meinen Dienstausweis und ich kann es kaum abwarten naechste Woche dort endlich anzufangen. Ich fuehle mich schon jetzt total wohl da, die waren alle sehr nett und das wird bestimmt klasse.
Aerotek war natuerlich total angepisst, das ich bereits in der ersten Woche gekuendigt habe, aber nett wie ich bin habe ich Ihnen sogar eine 2 weeks notice gegeben, das macht wohl auch nicht jeder. Also koennen sie noch froh sein!

Zusammenfassend kann ich sagen, nach den Tiefen die ich erlebt habe und wie ich zum Teil behandelt wurde, war ich schon kurz davor wieder nach Deutschland zu gehen.
ABER nun kann ich sagen nach ca. 100 Bewerbungen kommt doch alles wie es kommen musste: ENDE GUT ALLES GUT....

Martina

Bitte drueckt mir ganz arg die Daumen, das ich mich in meinem neuen Job gut bewaehre und moeglichst schnell das Business English lerne.

2 comments:

Julian Horacio said...

Klasse Bericht, Martina! Und keine Angst, das Business english lernst Du in nullkomanichts! Nur Mut :o)

Ich ruf Dich kommendes Wochenende mal an, ja?!

Bis denne

Angela

Melle said...

Na, da hat es am Ende doch geklappt. Ich freue mich echt fuer Dich/Euch. Lese Deinen Blog schon seit einer Weile und finde das alles interessant. Kam 1998 in die Staaten und wohne mit meinem Ami-Mann in Evergreen, CO (westlich von Denver). Alles Gute mit dem neuen Job!